„Der Kleine Prinz“ von Antonie de Saint-Exupéry (Karl Rauch Verlag, Düsseldorf)

 

Von Abschied und Vertrautheit

 

Jana Raile brachte eine der bekanntesten Erzählungen weltweit dar, mit der viele Herzen bewegt werden und die für viele Momente im Leben gilt. Sie baute mit der vor 75 Jahren erschienenen Geschichte des weltbekannten Dichters Antonie de Saint-Exupéry einen direkten Kontakt zum Publikum auf und schaffte eine Nähe, der man sich nicht entziehen konnte.

Die philosophischen Gedanken und zu Herzen gehenden Episoden des Märchens spiegeln Träume und Sehnsüchte der Menschen wieder: Ein Flieger erinnert sich an eine wundersame Begegnung mit dem kleinen Prinzen, der auf der Suche nach einem Freund von Planet zu Planet reist und zuletzt auf der Erde landet. Im Ringen um Wahrheit fächert die Geschichte des Kleinen Prinzen die bunte Palette der Menschlichkeit auf. Verzweiflung und Vertrauen, Unwissenheit und Unschuld, Abschied und Treue, Verwandlung und Liebe, Leben und Tod kommen mal poetisch oder verspielt, philosophisch und heiter zur Sprache und treffen so mitten ins Herz.

 

Im prinzlichen Mikrokosmos zeigte die Erzählkünstlerin Jana Raile am Samstag im Binderhaus Rodewald ein unglaubliches Wandlungstalent. Mit Leichtigkeit und Spiel schlüpfte sie in die unterschiedlichsten Rollen: vom König zum Eitlen, vom Säufer zum Geschäftsmann, vom Fuchs zur Schlange; sie mimte den Kleinen Prinzen und wurde zur Erzählerin der Geschichte. - Allein durch Mimik, Stimme und Gestik machte Jana Raile exklusiv-intensive Erzählkunst lebendig. Sie jauchzte und schluchzte, sehnsüchtelte und lachte auf dieser philosophischen Reise, die viele Fragen aufwarf. Die Antwort lautetet: "Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“